Archiv der Kategorie: Buchbesprechungen

Ausserirdische, ganz irdisch

Die Ausserirdischen waren schon immer dazu da, einen anderen Blickwinkel auf recht irdische Probleme zu ermöglichen. Für Doron Rabinovici genügt die Nachricht von deren Landung, um eine rasante Story in Gang zu setzen, die aus einem Online-Redakteur eines Gourmet-Blogs einen Regimegegner und Widerstandskämpfer macht. Weiterlesen

Wenn die Gewissheiten langsam verdunsten

Eine neue Aufgabe, das braucht der Jung-Pensionist Richard, denn nach seinem Abgang von der Universität weiß der Professor nicht so recht, wie er seine Zeit verbringen soll. Er findet diese Aufgabe schließlich in der Begleitung einer Gruppe von Flüchtlingen. Weiterlesen

Menschen, die keine Wahl haben

„Auf der Flucht“ ist ein Buch voller Flüchtlingsschicksale, von Karim El-Gawhary und Mathilde Schwabeneder packend und ergreifend erzählt. Aus den große Zahlen, die wir täglich in den Medien hören, werden Menschen – Menschen, die nicht die Wahl haben, ob sie in ihrer Heimat bleiben oder gehen sollen, sondern die fliehen, weil sie mit brutaler Gewalt dazu gezwungen werden, oder weil sie um ihr Leben fürchten müssen, wenn sie blieben. Weiterlesen

Das Gute ist immer und überall

Zum Buch „Das Gute leben“ von Clemens Sedmak

In ihrem Blödel-Song „Banküberfall“ hat die Band Erste Allgemeine Verunsicherung – kurz EAV – einst das „Böse …immer und überall“ gesehen. Dem Theologen und Autor Clemens Sedmak geht es um das Gute, und was er in seinem kleinen Band „Das Gute leben“ vermittelt, könnte man durchaus mit folgender Schlussfolgerung zusammenfassen: Das Gute ist immer und überall, man muss es nur sehen und schätzen. Weiterlesen

Die Größe eines einfachen Mannes

Ein Bauernsohn, der in der von Arbeit, Entbehrung und Sprachlosigkeit geprägten Welt einer amerikanischen Farmersfamilie in den 1890er Jahren aufgewachsen ist, entdeckt die Welt der Literatur und die Welt der Universität, die zu seiner Welt wird. Er wird Dozent und verbringt sein ganzes Leben als Lehrer an ein und der selben Uni. Weiterlesen

Lebenslisten

Über den Roman „Die Listensammlerin“ von Lena Gorelik
Sie schreibt Listen – Listen, die Titel tragen wie „Was ich Mama wünsche“ oder „Liste der Dinge, die ich über meine Vater weiß“. Und als ihr Kind am Strand plötzlich verschwunden ist, und der Vater ihrer Tochter sie überall sucht, lässt sie ihn allein suchen und verfasst die „Liste von Menschen, die Flox beim Suchen helfen“. Die Listen sind ihre List, mit der sie ihr Leben bewältigt: „Sie gaben mit Kraft und Ruhe wie anderen das Gebet, Alkohol, Drogen, ein Therapeut, die Zigaretten und das Shoppen.“ Weiterlesen

Erinnerungen einer großen Journalistin und warmherzigen Frau

Ihre Ahnengalerie ist beeindruckend: Barbara Coudenhove-Kalergi ist Tochter aus altem deutschen Adel in Prag mit japanischer Großmutter und ungarischen Vorfahren.
Ihr Lebenslauf ist es nicht weniger: Als Mädchen 1945 mit ihrer Familie aus Prag vertrieben, als Flüchtlingskind in Österreich aufgewachsen, wird sie Journalistin, heiratet später einen jüdischen Kommunisten. Weiterlesen

Als Normalo im Irrenhaus

Buchrezension

Zum Lachen und zum Weinen

Eine ganz normale Familie, Vater, Mutter und drei Söhne – doch sie leben an einem ungewöhnlichen Ort, sie sind umgeben von Menschen, die alles andere als normal sind. Denn der Vater ist Leiter der einer psychiatrischen Anstalt. Er lebt mit seiner Familie in der Direktionsvilla, die im Zentrum des Anstaltsgeländes steht.

Aus der Perspektive des jüngsten von drei Buben erzählt der Autor, wie er in dieser verrückten Umgebung aufgewachsen ist. Die höchst amüsanten Anekdoten kreisen immer wieder um den Vater und sind in ihren besten Passagen komisch und traurig zugleich – etwa wenn der Junge seinen geliebten Hund zum Blutsbruder machen möchte, oder wenn der Vater kläglich versagt, als
er sein großes angelesenes Wissen über das Segeln in die Praxis umsetzen will und bei der Prüfung für den Segelschein durchfällt.
Mit dem Älter werden entwächst der Held der närrischen Idylle und muss erleben, wie der Unfalltod eines seiner Brüder die Ehe seiner Eltern endgültig zerbrechen lässt. Schließlich erkrankt der Vater an Krebs. In der einfühlsamen Schilderung,
wie der Sohn das Leiden und Sterben seines Vaters erlebt, zeigt der Autor, dass er mehr kann, als Anekdoten zu erzählen – es gelingt ihm, auch die große Tragik dieses Abschiedes literarisch gekonnt umzusetzen.
Joachim Meyerhoff:
Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war.
Kiepenheuer & Witsch, Köln 2013, ISBN 978-3-462-04516-1.