Aufbrechen, scheitern und wachsen

Neues anzugehen, etwas ausprobieren, das heißt zwangsläufig auch Fehler machen, Misserfolge erzielen, scheitern. Aus Fehlern lernt man, heißt es.

Der Sänger und Autor Konstantin Wecker hat sogar ein Buch über die „Kunst des Scheiterns“ geschrieben. Man könne auch auf einer Leiter, deren Sprossen aus Niederlagen bestehen, gut nach oben kommen, ist seine Überzeugung.

Doch Scheitern ist wohl niemals lustvoll, auch wenn es manche Ratgeber behaupten. Es bedeutet, sich einzugestehen, Menschen oder Situationen falsch beurteilt zu haben, oder den eigenen Einfluss und die eigenen Möglichkeiten überschätzt zu haben. Das verunsichert, frustriert und kann dazu führen, dass der Selbstwert schrumpft und die Angst vor weiteren Fehlern lähmt.

Die richtigen Schlüsse ziehen

Das bedeutet natürlich nicht, dass man aus Fehlern nicht lernen kann. Aber es geht darum, die richtigen Schlüsse zu ziehen. Kann man erkennen, welche Ursachen der Misserfolg hat? Kann man unterscheiden zwischen dem, was man hätte anders machen können, und den nicht beeinflussbaren Rahmenbedingungen?

Jeder ist seines Unglücks Schmied

Angesichts des schnellen Wandels ist der Hang unserer Gesellschaft zu Planung und Absicherung durchaus verständlich. Allzu oft wird aber daraus eine Illusion der Machbarkeit, der wir alle gerne unterliegen, auch in unserer Kirche. Wer seines Glückes Schmied ist, schmiedet auch sein Unglück selbst. Wenn die Menschen nicht mehr in die Kirche finden, dann liegt es nach dieser Logik daran, dass wir uns nicht genug anstrengen, etwa bei der Gestaltung der Gottesdienste. Das Leistungsprinzip, das wir verinnerlicht haben, macht uns ängstlich und verkrampft. Nur ja nichts aufgeben, nur ja niemanden vergraulen, sonst laufen uns noch die letzten „Getreuen“ davon.

„Das habe ich falsch gemacht“ statt „Ich bin ein Loser“

Die amerikanische Psychologin Carol Dweck meint, dass es an der inneren Perspektive liegt, ob man aus Misserfolgen lernen kann. Es gelte, das „Mind-Set“, den inneren Monolog zu verändern: von der Selbstanklage als „Loser“ zur wachstumsorientierten Frage, was man aus der Situation lernen kann. Dazu gehört auch, dass es gelingt, Verhalten und Person zu trennen. Wer sein Verhalten in einer Situation als falsch erkennen kann, ohne sich selbst als Versager abzuwerten, der hat die besten Voraussetzungen, einen Fehler als Lernchance zu nutzen.

Begnadet zum Scheitern, begnadet zum Wachsen

Auch der Glaube kann den Blick verändern auf das, was als Misserfolg oder Scheitern gilt. „Dein Wille geschehe“ zu beten, bedeutet zu akzeptieren, dass nicht alles in unserer Hand liegt, dass wir nicht die Strippenzieher unseres Lebens sind. Das ist keine selbstverständliche Erkenntnis angesichts unserer heutigen Möglichkeiten. Wir können doch zum Mond fliegen und das ganze Jahr über frische Erdbeeren essen. Da fällt es schwer, hinzunehmen, dass uns gegeben und genommen wird im Leben. Lieber sehen wir die Leistung des Einzelnen, seine Willenskraft und sein Durchhaltevermögen. Eine solche Gesellschaft kann mit der Hinwendung Jesu zu den Schwachen und Hilfsbedürftigen wenig anfangen und sieht in diesem Jesus bloß den Urvater aller Gutmenschen.

Dabei ist nichts so entlastend wie die Erkenntnis, dass uns alles, was wir erreichen im Leben, letztlich geschenkt ist und nicht unser Verdienst – und damit auch nicht unser Verschulden, wenn wir etwas nicht erreichen. Dieses Geschenk, diese Gnade anzunehmen, ist unsere Chance zu lernen. Das Leben so zu nehmen wie es ist, ist die beste Voraussetzung, etwas daraus zu machen, zu wachsen, zur Fülle zu reifen.

Der neue Mensch, der Neuanfang, der Aufbruch, das ist Gottes Plan von Anfang an. Wir können darauf vertrauen, dass er mit uns geht, uns begleitet, welche Weg wir auch einschlagen, und welche Irrwege wir auch gehen werden. Wir können frohen Mutes aufbrechen – besser heute als morgen.

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