Gendergerechtigkeit für Mäuseriche

„Was machst du da?“ fragt die Funkmaus die Kabelmaus. „Irgendwie scheinst du dich treiben zu lassen. Hast du denn nichts zu tun?“ „Habe ich gerade nicht“, erwidert die Kabelmaus. „Keine Hand, die nach mir greift, nur Klopfen auf der Tastatur. Da kann ich mich im Mainstream treiben lassen, im Gendermainstream, wenn du es genau wissen willst. Denn davon handelt der Text!“ – „Schon klar, es geht um Binnen-I, um Wörter mit * oder _ zwischen den Buchstaben. Dazu braucht man keine Maus“, stellt die Funkmaus etwas traurig fest. „Manchmal scheint es mir, als ob wegen der gendergerechten Schreibweise allzu viel Aufhebens gemacht wird.“ – „Maus ist halt einmal weiblich“, pflichtet die Kabelmaus bei. „Kannst du mir sagen, warum sich Mäuseriche da nicht mitgemeint sehen können? Immer von „jeder Maus und jedem Mäuserich“ zu sprechen, das ist doch ur-umständlich! Wer drückt sich denn so aus?“ – „Die armen Mäuseriche glauben halt, dass sie gesellschaftlich nicht wahrgenommen werden, wenn man nur von der Maus spricht“, erklärt die Funkmaus, „und irgendwie verstehe ich es ja.“ – „Na ja, es gibt schlimmeres“, erwidert die Kabelmaus. „Und zwar?“ fragt die Funkmaus. Die Kabelmaus schüttelt sich, und der Mauszeiger beginnt nervös zu zucken. „Als Kabelmaus geboren zu sein“, seufzt sie, „wenn alle nur mehr mit der Funkmaus arbeiten.“

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