Einmal etwas anderes: „Dialog“ statt „Vortrag und Diskussion“

Einmal etwas anderes: „Dialog“ statt „Vortrag und Diskussion“

15 Interessierte sind gekommen zur kbw-Veranstaltung in der Pfarre St. Pölten Spratzern. Zum Thema „Ich war fremd und obdachlos“ bringt die Referentin, Obfrau Angela Lahmer-Hackl, biblische Bezüge zu Flucht und Fremdheit in Zusammenhang mit der aktuellen Situation.

Und kaum sind die ersten 20 Minuten vorbei, schon entsteht eine Diskussion, die schnell kontroversiell wird – die übliche „Flüchtlingsdiskussion“ bricht los.
Wir steigen um auf einen Dialog. Eine Mitte mit einem Redestab haben wir vorbereitet, die Regeln das Dialogs sind in zwei Sätzen gesagt, und alle akzeptieren, dass immer nur der oder die spricht, die den Redestab in Händen hält. Und siehe da, aus der hitzigen Diskussion wird schnell ein berührendes Gespräch. Unser 75jähriger Nachbar, der gerade noch von den beklagenswerten Zuständen in Wiener Kindergärten sprach, erzählt sein eigenes Flüchtlingsschicksal zu Kriegsende. An die Stelle angelesener oder gehörter Meinung tritt persönliche Erfahrung. Gesprächspausen haben plötzlich Raum, Gefühle können sich zu Worten verdichten, Worte können stehenbleiben, haben Bestand, müssen nicht widerlegt werden. Andere Worte kommen dazu, eine neue Schicht, eine neue Wendung ergänzt das Gesagte und das Ungesagte.
Danach allgemeine Zufriedenheit und ein Stück Verblüffung darüber, wie positiv sich ein so einfacher Wechsel der Gesprächsform auswirken kann.

Der strukturierte Dialog
unter Dialog versteht man ganz allgemein das Zwiegespräch oder die Wechselrede mehrerer Personen. Beim strukturierten Dialog gibt es zusätzliche Regeln: die Teilnehmenden sitzen im Kreis und verwenden ein „Redewerkzeug“ – einen Stab, einen Stein oder einen anderen Gegenstand, der in der Kreismitte liegt. Es spricht nur die Person, die den Redestab nimmt und in der Hand hält.
In diesem Dialog gibt es keinen Gesprächsleiter, es muss lediglich die Zeitspanne vereinbart werden, die man sich für den Dialog nimmt.
Diese Form des Dialogs wurde von dem Physiker David Bohm entwickelt und wird deswegen oft als „Dialog nach David Bohm“ bezeichnet. Einführende Veranstaltungen dazu gibt es im Hiphaus mit der bekannten Autorin Barbara Pachl-Eberhart:
Do 12. Mai, 19 – 21 Uhr, Dialog im Alltag – Wie ein gutes Gespräch gelingen kann
Sa 11. Juni, 9 – 18 Uhr, Kopfautobahn trifft Herzensweg, Tagesseminar mit Barbara Pachl-Eberhart und Ulrich Reinthaller
Die beiden haben auch einen interessanten Blog zum Dialog eingerichtet: http://www.dialogblog.at

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