Wenn die Gewissheiten langsam verdunsten

Eine neue Aufgabe, das braucht der Jung-Pensionist Richard, denn nach seinem Abgang von der Universität weiß der Professor nicht so recht, wie er seine Zeit verbringen soll. Er findet diese Aufgabe schließlich in der Begleitung einer Gruppe von Flüchtlingen.

Er hört sich die Geschichten der jungen Männer aus Afrika und Asien an, schreibt sie auf und wird bald auch zum Deutschlehrer für die „Fortgeschrittenen“. So lernt eine andere Welt kennen, eine Welt verzweifelter, einsamer Männer, die seit Jahren unterwegs sind, von einem Land ins andere, immer wieder eine neue Sprache lernen müssen, sich immer aufs Neue mit den Behörden herumschlagen müssen und nie sicher sein können, ob sie nicht morgen in ein Flugzeug gesetzt und zurückgeschickt werden. In Kennenlernen dieser anderen Welt verliert langsam Richards Lebensumfeld seine Vertrautheit und Selbstverständlichkeit und wird ihm immer fremder.
Jenny Erpenbeck hat die Flüchtlingsschicksale genau recherchiert und zeichnet in ihrer direkten Sprache ein sehr eindringliches Bild dieser Menschen. Die Figur des Richard wirkt anfangs ziemlich blutleer, doch gelingt es der Autorin, an seinem Beispiel zu zeigen, wie sehr die Fremden uns und unsere Gewissheiten in Frage stellen. Das liest sich recht spannend und entwickelt einen erzählerischen Sog, der den Leser zunehmend in die Geschichte hineinzieht.

Gehen, ging, gegangen
Roman
Jenny Erpenbeck
Verlag Knaus
ISBN 978-3-8135-0370-8

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