Das Gute ist immer und überall

Zum Buch „Das Gute leben“ von Clemens Sedmak

In ihrem Blödel-Song „Banküberfall“ hat die Band Erste Allgemeine Verunsicherung – kurz EAV – einst das „Böse …immer und überall“ gesehen. Dem Theologen und Autor Clemens Sedmak geht es um das Gute, und was er in seinem kleinen Band „Das Gute leben“ vermittelt, könnte man durchaus mit folgender Schlussfolgerung zusammenfassen: Das Gute ist immer und überall, man muss es nur sehen und schätzen.

Bewusst spricht Sedmak nicht vom „guten Leben“, der Art von Leben, der wir alle irgendwie nachzulaufen scheinen. Wer will nicht ein gutes Leben führen? Das klingt nach Wohlstand, nach vielen Möglichkeiten, nach Glück und Zufriedenheit. Nein, Sedmak verändert mit der Groß- und Kleinschreibung die Bedeutung dieser zwei Worte: das Gute leben ist etwas anderes: das Gute wird groß geschrieben, tritt in den Vordergrund, will aktiv gesucht, umgesetzt, verwirklicht, eben gelebt werden.
Da stellt sich natürlich die Frage, was es denn sei, das Gute. Und Sedmak beantwortet dies vor allem mit Beispielen. Er erzählt von der kleinen Issa, die schwerstbehindert zur Welt kam, so verkrüppelt, dass sie nicht liegen konnte und von den Eltern und Geschwistern rund um die Uhr getragen werden musste. Sedmak beschreibt, dass das Tragen dieses Kindes ihn tief bewegte und dessen völlige Abhängigkeit und Schutzlosigkeit in ihm die Überzeugung weckte, es sei etwas Bedeutungsvolles und Wichtiges, Issa zu tragen und vor Schmerz zu bewahren. Sedmak wird dabei von einer „heiligen Scheu“ erfüllt und spürt, wie diese Erfahrung das „Gute“ in ihm weckt. Das Gute, schreibt Sedmak, ist das, was uns näher zum anderen, näher zum Leben bringt, was ein „Mehr“ an Liebe ermöglicht.
Doch wird auch klar, dass das Gute leben, das Mehr an Liebe ermöglichen nicht nur eine Sache des Verstandes ist. Wer von heiliger Scheu erfüllt wird und erlebt, wie das „Gute“ in ihm geweckt wird, der ist davon überrascht, der hat sich das Gute nicht vorgenommen, es nicht geplant. Worauf es ankommt, ist wohl die Bereitschaft, sich auf solche Erfahrungen einzulassen, und offen zu sein, das Gute zu erfahren, auch im Schwachen, im Kleinen, im Unbeachteten, eben „immer und überall“. Dazu leistet die Lektüre dieses Buches gute Dienste.

Clemens Sedmak, Das Gute leben

Von der Freundschaft mit sich selbst

Tyrolia-Verlag

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