Archiv für den Monat Mai 2013

Als Normalo im Irrenhaus

Buchrezension

Zum Lachen und zum Weinen

Eine ganz normale Familie, Vater, Mutter und drei Söhne – doch sie leben an einem ungewöhnlichen Ort, sie sind umgeben von Menschen, die alles andere als normal sind. Denn der Vater ist Leiter der einer psychiatrischen Anstalt. Er lebt mit seiner Familie in der Direktionsvilla, die im Zentrum des Anstaltsgeländes steht.

Aus der Perspektive des jüngsten von drei Buben erzählt der Autor, wie er in dieser verrückten Umgebung aufgewachsen ist. Die höchst amüsanten Anekdoten kreisen immer wieder um den Vater und sind in ihren besten Passagen komisch und traurig zugleich – etwa wenn der Junge seinen geliebten Hund zum Blutsbruder machen möchte, oder wenn der Vater kläglich versagt, als
er sein großes angelesenes Wissen über das Segeln in die Praxis umsetzen will und bei der Prüfung für den Segelschein durchfällt.
Mit dem Älter werden entwächst der Held der närrischen Idylle und muss erleben, wie der Unfalltod eines seiner Brüder die Ehe seiner Eltern endgültig zerbrechen lässt. Schließlich erkrankt der Vater an Krebs. In der einfühlsamen Schilderung,
wie der Sohn das Leiden und Sterben seines Vaters erlebt, zeigt der Autor, dass er mehr kann, als Anekdoten zu erzählen – es gelingt ihm, auch die große Tragik dieses Abschiedes literarisch gekonnt umzusetzen.
Joachim Meyerhoff:
Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war.
Kiepenheuer & Witsch, Köln 2013, ISBN 978-3-462-04516-1.

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